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01.11.20268 Min. LesezeitKaufentscheid und Kosten

Büroarbeit automatisieren: Brauchst du wirklich eine Bürokraft?

Stell dir einen Freitag vor, an dem um 16 Uhr alles erledigt ist. Die Rapporte sind verrechnet, die Offerten raus, und auf deinem Pult warten drei Entscheide statt eines Stapels. Heute sitzt du stattdessen abends am Küchentisch. Büroarbeit ist alles, was rund um deine eigentliche Leistung anfällt: belegen, verrechnen, nachfragen, ablegen. Wer sie loswerden will, denkt selten daran, Büroarbeit zu automatisieren. Der erste Gedanke ist ein anderer.

Der Irrglaube: "Ich brauche endlich jemanden fürs Büro."

Eine Bürokraft ist oft die richtige Antwort, aber selten die erste. Sie nimmt dir die Arbeit ab, macht sie aber nicht kleiner. Räumst du zuerst auf und stellst dann ein, brauchst du weniger Stellenprozente. Die Person macht dann die Arbeit, die wirklich einen Menschen braucht.

Warum klingt eine Bürokraft vernünftiger, als Büroarbeit zu automatisieren?

Weil es die Lösung ist, die du kennst. Du hast zu viel Arbeit, also holst du Hilfe, und so hast du im Betrieb bisher fast jeden Engpass gelöst.

Der Druck dahinter ist echt. Für den Bürokratiemonitor 2022 des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) gaben 1'525 Schweizer Unternehmen ab drei Mitarbeitenden Auskunft. Im Median gehen dort 20 Stunden pro Monat allein für gesetzliche Vorschriften drauf. Die eine Hälfte braucht weniger, die andere mehr. Da ist noch keine einzige Offerte geschrieben.

Dazu kommt: Eine Person ist greifbar. Du kannst ihr etwas auf den Tisch legen, und sie fragt nach, wenn etwas unklar ist. Sie nimmt das Telefon ab, während du beim Kunden bist. Vielleicht hast du auch schon Software gekauft, mit der am Ende niemand gearbeitet hat. Da wirkt ein Mensch wie die sichere Wahl.

Daran ist vieles richtig. Manche Büroarbeit braucht einen Menschen, und ich rate niemandem von einer guten Bürokraft ab. Der Fehler liegt woanders: in der Annahme, dass die Arbeit gleich bleiben muss und bloss jemand anders sie machen soll.

Wo bricht der Gedanke, wenn du eine Bürokraft einstellen willst?

Eine Bürokraft übernimmt deinen Ablauf, wie er ist. Dass er lange dauert, ändert sie nicht. Das kannst du an deiner eigenen Woche prüfen, in vier Schritten.

Erstens: Schreib das Inserat, ohne es zu schalten. Was stünde drin? Vermutlich Rapporte erfassen, Rechnungen stellen, Belege ablegen, offenen Posten nachgehen. Zähl die Zeilen, die nur Daten von einem Ort an den nächsten tragen. Diese Daten gibt es längst, jemand hat sie schon einmal aufgeschrieben.

Zweitens: Frag dich, wer am Schluss entscheidet. Welchen Rabatt bekommt die Stammkundin? Stimmt die Lieferantenrechnung? Gibst du bei der Reklamation nach? Das bleibt alles bei dir, du tippst dann nur weniger und beantwortest mehr Fragen. Ich merke das in meiner eigenen Buchhaltung. Unter den 17 Belegen des dritten Quartals lagen zwei PDF vom selben Lieferanten, mit genau demselben Betrag. Das eine war nur die Offerte, kein Buchungsbeleg. Stures Übertragen hätte den Betrag doppelt in die Bücher gebracht, egal ob durch einen Menschen oder ein Programm.

Drittens: Zähl die Einarbeitung mit. Deine Regeln stehen vermutlich nirgends, sie stecken in deinem Kopf. Bevor dich jemand entlastet, musst du alles erklären, und zwar genau in den Wochen ohne freie Minute.

Viertens: Denk an die Ferien. Bisher hängt das Büro an dir, danach an einer Person mit vielleicht 40 Prozent. Fällt sie aus, liegt alles wieder auf deinem Tisch. Was das bedeutet, steht im Artikel zum Personalausfall im KMU.

Warum Büroarbeit reduzieren mehr bringt als sie weiterzugeben

Eine zusätzliche Person im Büro macht den Weg einer Rechnung nicht kürzer, sie geht ihn nur an deiner Stelle. Das zeigt ein gewöhnlicher Ablauf. In einem Testprojekt mit einem Schweizer Logistikbetrieb läuft eine Lieferantenrechnung heute so: Sie kommt per Post oder per Mail und wird ausgedruckt. Jemand erfasst und kontiert sie von Hand. Dann geht sie zur Visierung an die zuständige Abteilung, danach wird die Zahlung bereitgestellt. Am Ende wird das Papier abgelegt. Das sind sechs Schritte, und ein echtes Urteil braucht vor allem die Visierung. Die übrigen Schritte tragen weiter, was schon auf der Rechnung steht. Eine neue Mitarbeiterin würde jeden davon sorgfältig erledigen. Aber jede weitere Rechnung kostet dann wieder dieselbe Arbeit, und mehr Aufträge heissen mehr Stapel. Darum ist die erste Frage nicht, wer die Arbeit macht. Die erste Frage ist, welche Schritte es überhaupt noch braucht.

Wie viel Zeit darin steckt, kann fast die Hälfte der Betriebe nicht beziffern. Für eine Studie von LINK im Auftrag von Exxas antworteten im Juni 2023 insgesamt 469 Deutschschweizer KMU. Gefragt waren auch die Stunden, die Automatisierung pro Monat sparen könnte. 47 Prozent wussten es nicht oder machten keine Angabe. Ohne diese Zahl legst du auch das Pensum einer Stelle blind fest.

Was stimmt stattdessen, wenn du Büroarbeit automatisieren willst?

Büroarbeit ist nicht ein Haufen, sondern vier. Zwei davon kann eine Maschine übernehmen, einer gehört einem Menschen im Büro, und einer bleibt bei dir. Trenn die vier, dann siehst du, wofür du jemanden brauchst.

HaufenTypische ArbeitWer es machen sollte
ÜbertragenRapport in Rechnung übernehmen, QR-Rechnung erfassen, Stunden in die Lohnliste tragenMaschine
Nachlaufenfehlende Rapporte einfordern, offene Offerten nachfassen, an Zahlungen erinnernMaschine, nach deinen Regeln
Mit Menschen redenTelefon, Rückfragen von Kunden, Reklamationen annehmenBürokraft
EntscheidenPreis, Kulanz, Freigabe einer Rechnungdu

Büro-Automatisierung im KMU: Der Mensch bleibt im Ablauf

Büro-Automatisierung im KMU heisst nicht, dass niemand mehr ins Büro schaut. Sie heisst, dass die Routine von allein läuft und die Ausnahmen bei einem Menschen landen. Bei einer Schweizer Agentur, mit der ich an einem Reporting-Projekt arbeite, läuft das bereits so. Ein Programm prüft jeden Report gegen feste Kriterien. Was alle Kriterien erfüllt, geht von selbst raus. Was durchfällt, kommt auf eine Liste, und ein Mensch sucht den Grund. Dieselbe Agentur liess einen Teil des Ablaufs früher ganz automatisch laufen. Trat ein Fehler auf, war das Aufräumen sehr mühsam. Darum stösst dort heute jemand zwei, drei Schritte von Hand an. Das ist kein Scheitern, sondern eine vernünftige Grenze. Der Mensch bleibt dort, wo ein Fehler teuer würde. Dir bleibt am Ende nicht weniger Kontrolle. Dir bleiben weniger Stapel und mehr Klarheit darüber, welche Entscheide wirklich deine sind.

Wie sieht die Administration im Kleinbetrieb danach aus?

Eine Bürokraft im Teilzeitpensum bleibt oft sinnvoll, nur mit einer anderen Stelle. Sie telefoniert, klärt Rückfragen und kümmert sich um Ausnahmen, das Abtippen ist schon weg. Darum gilt die Reihenfolge: zuerst die zwei Maschinen-Haufen abbauen, dann schauen, was übrig bleibt. Umgekehrt bezahlst du jemanden für einen Ablauf, den es so nicht mehr bräuchte.

Was kannst du diese Woche tun?

Schreib die Stellenbeschreibung für die Bürokraft, auch wenn du sie nie ausschreibst. Du brauchst dafür kein Werkzeug, nur einen Zettel neben der Tastatur.

  1. Notier eine Woche lang jede Büroarbeit mit den Minuten dazu.
  2. Gib jeder Zeile einen Buchstaben: Ü für Übertragen, N für Nachlaufen, M für Menschen, E für Entscheiden.
  3. Streich alles, was eigentlich niemand mehr machen müsste.
  4. Zähl am Freitag die Minuten pro Buchstabe zusammen.
  5. Lies, was übrig bleibt, wie ein Stelleninserat.

Ist M der grösste Haufen, such dir eine Bürokraft. Du weisst jetzt auch, wie viele Stellenprozente du brauchst. Sind Ü und N grösser, lohnt sich zuerst ein Blick auf die Abläufe. Steckt das meiste bei E, hilft dir weder das eine noch das andere. Dann musst du Entscheide abgeben. Beispiele für die ersten zwei Haufen findest du im Artikel zum Monatsabschluss und im Artikel zum Offertenprozess.

Wenn du es nicht selbst bauen willst

Bei Swellsystems baue ich Abläufe, die die Haufen Übertragen und Nachlaufen aus deinem Alltag holen. Vorher schaue ich mit der Person, die die Arbeit heute macht, jeden Schritt durch. Gebaut wird mit dem, was du schon hast, zum Beispiel Bexio und Outlook, dazu Werkzeuge wie n8n.

Das passt, wenn auf deinem Zettel Ü und N am grössten sind und die Arbeit jede Woche gleich wiederkommt.

Das passt nicht, wenn dein grösster Haufen das Telefon ist. Dann stell jemanden ein. Es passt auch nicht, wenn jeder Fall anders läuft und es noch keine Regeln gibt. Und schau zuerst, was deine Software schon kann. Bexio wirbt zum Beispiel damit, bis zu 12 Stunden Büroarbeit pro Monat zu sparen. Das ist eine Herstellerangabe, aber der Blick in die eigenen Einstellungen kostet nichts. Ob du selbst baust oder einkaufst, klärt dieser Artikel zum Selberbauen. Welche Abläufe sich sonst zuerst lohnen, steht im Überblick zur Prozessautomatisierung KMU.

Wenn du über deine Büroarbeit reden willst: Melde dich auf swellsystems.ch oder direkt auf LinkedIn.

Häufige Fragen zur Büroarbeit im KMU

Wie viel Büroarbeit lässt sich im KMU automatisieren?

Das hängt davon ab, wie viel davon Routine ist. In der Exxas-Studie schätzten Betriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten ihr Sparpotenzial im Schnitt auf 8 Stunden pro Monat. Bei 10 bis 49 Beschäftigten waren es 19 Stunden. Fast die Hälfte konnte aber keine Zahl nennen. Verlässlicher ist deine eigene Strichliste aus einer normalen Woche.

Bürokraft einstellen oder automatisieren: Was kommt zuerst?

Zuerst die Abläufe, dann die Stelle. Baust du das Übertragen und Nachlaufen zuerst ab, siehst du, wie viel Arbeit wirklich bleibt. Vielleicht reicht dann ein kleineres Pensum, zum Beispiel 20 Prozent. Das sind bei einer 42-Stunden-Woche gut 8 Stunden pro Woche. Stellst du zuerst ein, übernimmt die neue Person auch alle Umwege.

Lohnt sich eine Bürokraft im Handwerksbetrieb?

Oft ja, vor allem wenn das Telefon der Engpass ist. Eine Bürokraft im Handwerksbetrieb nimmt Anrufe an, während alle auf der Baustelle sind. In der Exxas-Studie sagten im Baugewerbe 60 Prozent, ihre Aufgaben im Team liessen sich weitgehend nicht automatisieren. Für die Arbeit auf der Baustelle stimmt das. Für den Rapport danach nicht.

Fallen durch Büroautomatisierung Stellen weg?

Selten. In der Exxas-Studie änderte Automatisierung die Stellenzahl in drei von vier KMU innert zwölf Monaten nicht. 14 Prozent nannten neue Stellen, 10 Prozent weggefallene. Die AXA-Studie 2025 (Sotomo, 300 KMU) zeigt für KI Ähnliches. Nur 2 Prozent geben an, wegen der Zeitersparnis auf Personal verzichten zu können.

Willst du wissen, welcher Ablauf bei dir zuerst dran wäre?

Im Erstgespräch gehen wir deinen Prozess Schritt für Schritt durch und du bekommst eine ehrliche Einschätzung. Auch dann, wenn sie lautet, dass sich eine Automatisierung bei dir nicht lohnt.

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